Der Atem des Papiers

Ingrid Cerny und Christa Mayrhofer

 

Eröffnung: Sonntag, 27. Juni 2010, 11.00 Uhr
Zur Ausstellung spricht: Ulrike Jakob, Galerie Ulrike Hrobsky
Ausstellung: 28.Juni 2010 - 01. August 2010
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10.00-16.00

 

Österreichisches Papiermachermuseum
Laakirchen-Steyrermühl
Museumsplatz 1, 4662 Steyrermühl
www.papiermuseum.at

Mit "Der Atem des Papiers" setzt das Papiermachermuseum Steyrermühl auch im Jahr 2010 seine erfolgreiche Ausstellungsreihe zum Thema Papierskulptur fort. In diesem Sommer werden die Arbeiten von Ingrid Cerny und Christa Mayrhofer vorgestellt, die beide seit Jahren Papier als Werkstoff einsetzen. Eine weitere Gemeinsamkeit der Künstlerinnen ist die Integration von Text und Schrift in ihre Arbeiten.

So verwendet Ingrid Cerny hauptsächlich bedrucktes Papier - insbesondere Seiten aus Büchern und Zeitschriften - als Ausgangsmaterial ihrer Arbeiten. Aufgespießte Papierstapel, mit Papier umwickelte Schnüre, ausgeschnittene Buchstaben in Drahtgittern - die einzelnen Elemente aus denen sich ihre Objekte zusammensetzten sind vielfältig.

Durch Zerschneiden, Zerschreddern, Falten, Flechten, Bündeln, Aufspießen, Wickeln und Brennen zerkleinert und bearbeitet sie die Papiere um sie dann voller Fantasie und mit hintergründigem Humor wieder neu zusammenzufügen. Als Verbindungselemente dienen ihr dabei Schnüre, Drähte, Zahnstocher, Gitter und ähnliche Gegenstände. Das Resultat sind kleinteilige Objekte von spielerischer Leichtigkeit, die manchmal an Miniaturen oder Setzkästen erinnern, aber auch Assoziationen mit geheimnisvollen Maschinen oder mechanischen Versuchsanordnungen hervorrufen können. Indem Ingrid Cerny das Ausgangsmaterial aus seinem ursprünglichen Kontext herauslöst, überführt sie es nicht nur in eine neue physische Form, sondern eröffnet auch inhaltlich neue Zusammenhänge und Lesarten.

Die einzelnen Elemente bleiben dabei stets als solche erkennbar und werden in immer neuen Variationen kombiniert. Konkrete inhaltliche Bezüge zu den verwendeten Texten stellt Ingrid Cerny in ihren Arbeiten nur selten her, vielmehr geht es der Künstlerin im erweiterten Sinn um Schrift in ihrer Funktion als kulturelles Medium.

Ergänzend zu den für sie so charakteristischen kleinformatigen Arbeiten zeigt Ingrid Cerny in Steyrermühl auch eine großformatige Installation im Freien welche die Besucher schon auf ihrem Weg in die Ausstellung begrüßt.

Auch in Christa Mayrhofers eigens für die Ausstellung in Steyrermühl entstandenen Arbeiten spielen Text und Schrift eine wichtige Rolle. Schon seit 1993 arbeitet die Oberösterreicherin mit Hochdrucken, die zumeist abstrakte Motive zeigen. Für Steyrermühl hat sie nun eine Serie von großformatigen mehrfarbigen Unikathochdrucken geschaffen, die Fragmente von Texten abbilden. Diese Texte stammen aus ganz unterschiedlichen Quellen - etwa altitalienische Arien oder eine Passage aus einer Appenzeller Regionalzeitung in der ein Bauer liebevoll seine Kuh beschreibt.

Es handelt sich um Sätze und Textfragmente, die der Künstlerin im Gedächtnis blieben, die sie berührten. Christa Mayrhofer geht es dabei weniger um die Inhalte der Texte an sich, sondern vielmehr um die persönliche Empfindung die Texte und auch einzelne Sätze in uns auslösen können und die Erinnerung an bestimmte Momente, die wir damit verbinden.

Daher ist auch die Lesbarkeit der Sätze, die sie aus dem Druckstock herausarbeitet zweitrangig. Viele der Texte erschließen sich den Betrachter erst bei genauem Hinsehen, manche bleiben vielleicht kaum zu entziffern, manchmal müssen die Fragmente erst wie ein Puzzle zusammengesetzt werden. Dennoch sind Anordnung und Gestaltung der Schrift nicht willkürlich: die Künstlerin hat sich für diese Arbeit viel mit Typografie beschäftigt und spielt etwa mit Buchstabengröße und Schriftart um einen dem Text und der damit verbundenen Empfindung angemessenen Ausdruck zu erzielen.

Auch die Farbigkeit ist dabei von großer Wichtigkeit, so sind manche Drucke rein zweifarbig angelegt, während andere aus bis zu 8 Platten entstanden, die teilweise überlappend aufs Papier gebracht wurden. Durch die Vermischung der Farbe wird eine große Farbvariation erzielt, welche die Lesbarkeit weiterhin beeinträchtigt und eine beinahe abstrakte Wirkung der Schriftbilder bewirkt. Auch der mühevolle Prozess des Herausarbeitens der Schrift aus dem Holz und das ungleichmäßige ungeschliffene Schriftbild beeinflusst die Gesamtwirkung und unterstreicht die innere Stimmigkeit der Arbeiten.

Die 3,60 m x 1m großen Papierbahnen werden an Drahtseilen im Raum aufgespannt so dass eine begehbare Installation entsteht welche die zentralen Säulen des Raumes umspielen wird. Wie ein Tanz im Raum sollen die Papierbahnen den Raum ordnen und gliedern. Ihre Anordnung soll dabei wichtige Momente und Stationen im Leben eines Menschen symbolisieren. Die Besucher der Ausstellung sind eingeladen, die Installation zu durchschreiten und so selber zu erfahren: sie können verschiedene Wege wählen, die ihnen unterschiedliche Perspektiven und Blickpunkte eröffnen, die sich aus den Überschneidungen und unterschiedlichen Anordnungen der aufgespannten Papierbahnen umgeben.

Text von Andrea Neidhöfer

Go back