Bim Koehler

1949 geboren in Kassel / born in Kassel (Germany)
lebt und arbeitet in Schornsheim/Rheinhessen

Einzelausstellungen (Auswahl seit 1993)

1993 Rathausgalerie Mainz-Bretzenheim, 28 Bilder gegen Rechts
1994 Mozarteum, Hochschule für Musik und Kunst, Salzburg
R + T-Galerie, Mainz
1995 Galerie bei Leola, Untermichelbach/Nürnberg
1996 Atelier am Winterhafen, Mainz (mit Dirk Farklas)
Foyer des Landtags Rheinland-Pfalz, (mit Britta Deutsch/Skulptur), Mainz
1997 Galerie Erik Bausmann, Mainz
Galerie Veronica Kautsch, Michelstadt
1998 Galerie Uli Lang, Biberach
Galerie Erik Bausmann, Mainz
1999 Galerie Veronica Kautsch, Michelstadt (mit Bernhard Lehmann, Jevenstedt, Skulptur)
2000 Galerie 89, (mit Franz Anatol Wyss, Zeichnung und Klaus Prior, Skulptur), Aarwangen/Schweiz
Galerie Erik Bausmann (Gegenüberstellung Günther Förg/Binköhler), Mainz
Forum-Galerie, Usingen
Treppenhaus-Galerie, Presse- und Informationsamt der Stadt Frankfurt (mit Agnes Noltenius, Fotografie)
2001 Galerie Veronica Kautsch, Michelstadt
Galerie Erik Bausmann, Mainz
Galerie Renate Bender, München
2002 Forum Art, Konstanz
2003 Galerie Veronica Kautsch, Michelstadt (mit Klaus Lomnitzer)
Kohinoor Art-Gallery, Karlsruhe ("Transparenz")
Forum-Galerie, Usingen ("...die Entwicklung der Farbe und ihre Transparenz")
Galerie 89, Aarwangen (CH)
2004 Galerie Renate Bender, München
Galerie Angelika Harthan, Stuttgart
Art Felchlin, Zürich
2005 ArtFelchlin, Schwyz/CH
2006 Galerie Renate Bender, München
Galerie Ulrike Hrobsky, Wien (A); mit Ulrich Plieschnig
Galerie Ursula Huber, Basel (CH); mit Christian Gardair

Ausstellungsbeteiligungen (Auswahl seit 1993)

1993 Kunstverein Essenheim, "Alles gute Leute", Essenheim
1994 BBK Schwaben-Nord/Heinrich-Heine-Stiftung Düsseldorf, Augsburg
1995 Haueisen-Kunstpreis, Jockgrim
Deutsche-Anlagen-Leasing (DAL), Mainz
1996 BBK Schwaben-Nord, Themenarbeit zu Thomas Mann, Augsburg
Kunstpreis S.A.L.Z., Johanniterhalle, Schwäbisch-Hall (Preisträger)
Kunstpreis Arthouse im Rathaus, Ingelheim, (Preisträger mit Elisabeth Vierkotten/Rauminstallation)
1997 Museum für Sepulkralkultur; (Installation HausTod), Kassel
1998 Kunstverein Essenheim, "Zehn x 10", Essenheim
Art Frankfurt, Kunstmesse, Frankfurt
Museum für Sepulkralkultur, Kassel
Buchmesse, Frankfurt
Art multiple, Kunstmesse, Düsseldorf
Kunst und Künstler aus Rheinland-Pfalz, Ziegeleimuseum/Zehnthaus, Jockgrim
Galerie Veronica Kautsch, "Das kleine Format", Michelstadt
Landesvertretung Rheinland-Pfalz, Brüssel
1999 Sport-Toto Kunstpreis, Koblenz ; 8 Folgeausstellungen
ART Frankfurt, Kunstmesse, Frankfurt
Buchmesse, Frankfurt
Rathaus-Galerie, Dresden
Galerie Erik Bausmann, "Künstler der Galerie", Mainz
Deutsche-Anlagen-Leasing (DAL), "3 Mainzer Künstler", Mainz
2000 ART Frankfurt, Kunstmesse, Frankfurt
Kunst 2000, Kunstmesse Zürich (Galerie Brummer, Zürich)
2001 Haueisen-Kunstpreis, Jockgrim
ART Frankfurt, Kunstmesse Frankfurt (Galerie Bausmann)
Art-Vienna, internationale Kunstmesse, Wien
ART Paris, internationale Kunstmesse, Paris
2002 Transluzid – Translucent – Galerie Renate Bender, München
Kunstmessenbeteiligung Artefiera Bologna, Art Frankfurt, Kunst Zürich, Köln Kunst
Galerie Veronica Kautsch, Michelstadt, "mixed salad"
2003 Galerie 89, Aarwangen/Schweiz
Kunstmessenbeteiligung Artefiera Bologna, Art Frankfurt, Kunst Zürich, Art Frankfurt, Art Chicago, Art Santa Fe
2004 Kunstmessenbeteiligung Artefiera Bologna, Art Karlsruhe (one-man-show); Art Frankfurt
2005 Artefiera Bologna, Art Karlsruhe, Art Frankfurt, Art Santa Fe, Kunst Zürich.
2006 "Der Lauf der Farbe", Galerie Ulrike Hrobsky, Wien
Art Miami, Miami Beach; Kunst Zürich, Art Karlsruhe, Art Space Frankfurt, Art Chicago.
2007 "Artefakte", Galerie Ulrike Hrobsky, Wien

Aktionen und Projekte

1994 Studienreise nach Dänemark
1995 "Künstler gegen Müll", Aktion des B.U.N.D. und des Umweltministeriums Rheinland-Pfalz, bundesweite Wanderausstellung
Arbeitsaufenthalt in New York (SoHo), Installation an 6 Galerien zu "Relikt-Transform-Transport"
"Versetzte Ebene", (mit Lucille Thoyer/F/klass. Gitarre und Michael Milde, Winnenden, Literatur), Atelier Essenheim
1996 Offene Ateliers, BBK und Kultursommer RP, Atelier Essenheim
1999 Offene Ateliers, Atelier Schornsheim
Kunstaktion "3 x klingeln", Mainz
2000 Gutenberg-Pavillion, Mail-Art-Projekt zu "Happy Birthday Johannes", Mainz
Offene Ateliers, Atelier Schornsheim
2001 "Ateliergespräche" mit dem Kunst-Archiv Darmstadt
"Künstlergespräch in der Galerie Bausmann", Dr. Andreas Bee, Museum für Moderne Kunst, Frankfurt
2002 "Rheinromantik" Mail-Art-Projekt
Benefiz Essenheimer Kunstverein
Agenda Kultur VG Wörrstadt (Agendamitglied)
2003 Benefiz Essenheimer Kunstverein

Bibliografie (Auswahl)

1993 Studiobeitrag ARD/SWF 3, "Binköhler - Bilder gegen Rechts"
1995 Hans Georg Böcher, Wiesbaden, Hrsg., "Binköhler - Malerei und enkaustische Objektbilder"
Filmbeitrag des SWF zu „Perforation“, Ausstellung und Atelierarbeit
Arthouse im Rathaus, Kultur Südwest, SWF, Filmbeitrag/Interview
1996 Michael Oberbillig, Trier, "Vom Augenfangen und Sie behalten"
1997 Dr. Jutta Schuchard, Museum für Sepulkralkultur Kassel, zu "Transformation"
"Bilder, die es in sich haben", Dr. phil. Ulrike Eldracher, Erbach
1998 "Binköhler", Publikation zur Ausstellung, Hrsg. Erik Bausmann, Mainz
Prof. Dr. Wolf Spemann, Frankfurt/Wiesbaden, "Binköhler – mehrschichtig in Leben und Werk"
SWF, Kultur S2, "Produkt Kunst-wo bleibt das Original?"
1999 "Fröhliche Monochromie", Stefanie Mittenzwei, MRZ
2000 "Binköhler und Förg bei Bausmann", Allgemeine Zeitung
"Auf den ersten Blick eine Fläche-mehrschichtig, transparent", Dr. Roland Held, Darmstadt
2001 Künstlergespräch in der Galerie Kautsch, Michelstadt, Günter Minas, Mainz
"Summe aller Farben"; Dr. Roland Held, Darmstädter Echo
"Mit Farben, Wachs und Klinge", Nahaufnahme, Helena Sender-Petry Allgemeine Zeitung
Künstlergespräch in der Galerie Bausmann, Mainz, Dr. Andreas Bee, MMK, Frankfurt
"Bim Koehler (Binkoehler) – und die Frage der Malerei. Thesen und Reflexionen", Prof. Klaus Honnef, Bonn
2002 "Mehr als bloße Monochromie", Brigitte Elsner Heller
"Schicht um Schicht aufgetragen", Südkurier
"Bim Koehler" (Vernissagerede zu Plankonvex), Dr. Stefanie Dathe, Dietenwengen/BW
"Harmonisches Arrangement", Liane Probst-Simon, Odenwälder Echo
"Streifenwunder", Anja Pawlitzki, Feuilleton Darmstädter Echo
2003 "Trunken von Farbe", Dr. Roland Held, Feuilleton Darmstädter Echo
"Transparent verbindet", Liane Probst-Simon, Odenwälder Echo
"Bim Koehler: Transparenz-Objektbilder" (Vernissagerede), Ulrike Selzer, Maintal
"Plankonvex (zur Rezeption der Bildobjekte von Bim Koehler)", Dr. Stefanie Dathe, Dietenwengen/BW
"Werke von Bim Koehler. Verführung zum genauen Schauen", Badische Neueste Nachrichten
Deutsche Welle (Filmbeitrag zu Kohinoor Art-Gallery mit Ausstellungsbericht)
"Transparenz und Oberfläche. Bim Koehlers Bild-Objekte als Membrane aus Materie und Licht",Dr. Birigt Moeckel, Berlin
"Fünf Künstler im gelungenem Dialog. Positionen", Berner Zeitung
"Einfach mal in den Farben baden", Usinger Anzeiger
"Interaktion der Farben", Wilma Eckhardt, Taunus-Zeitung (Rhein-Main)
"Kunst-Banausen im forum zugange", Annika Natus, Taunus-Zeitung (Beitrag zum Vandalismus an den Bildern von Bim Koehler in der Ausstellung in der "Forum-Galerie" Usingen)
2004 "Bim Koehler – und die Frage der Malerei" (Thesen und Reflexionen), Klaus Honnef, Bonn
2006 "Fluss der Farbe" (Neue Arbeiten 2005); Susann Kosa, Museum für Konkrete Kunst, Ingolstadt
"Bim Koehlers Bilder – im Kontext der abstrakten Malereigeschichte betrachtet (Die letzten Bilder und doch kein Ende)", Florian Steininger, Wien

Sammlungen/Ankäufe

Land Rheinland-Pfalz
Landesbank Rheinland-Pfalz
Stadt Mainz
Kreisverwaltung Mainz-Bingen
Deutsche-Anlagen-Leasing (DAL)
R + T-Recycling, Mainz/Essen
Kanzlei Dr. Fromm/Maurer, Mainz
Museum Schwäbisch-Hall
Staatsgalerie Stuttgart
Sammlung Lugon, Zürich
Sammlung Jochen Kienbaum, Gummersbach
Landesbank Baden-Württemberg
SEB-Bank, Frankfurt
Schufa-Holding, Wiesbaden
Nationale und internationale Privatsammlungen

Über die Arbeit von Bim Koehler von Susann Kosa

Bim Koehlers Arbeiten sind Bilder, denen man sich so nähert, wie sie entstanden sind: Schritt für Schritt bzw. Schicht für Schicht. Der Eindruck monochromer Farbflächen, der auf den ersten Blick entsteht, muss bei genauerer Betrachtung revidiert werden: Am Rand wie auf der Bildfläche zeigen sich Spuren von darunter liegenden Farbschichten. So erahnt man den langen Entstehungsprozess und die Fülle des Materials, das sich hinter der obersten Farbschicht verbirgt.
Malerei wird von Bim Koehler ganz im traditionellen Sinne als handwerklicher Prozess verstanden. Die Techniken der alten Meister, allen voran die der Renaissancekünstler wie Albrecht Dürer, werden von ihm als Grundlage genutzt. Ausgehend davon entwickelt er eigene technische Verfahren und Rezepturen, die ihm dazu dienen, die Wirkung der Farbe aufs Genaueste zu erforschen. Der traditionelle Aufbau eines Bildes: Grund, Farbe, Firnis wird beibehalten und gleichzeitig neu formuliert.
Als Bildträger dient Bim Koehler eine Trovidur-Platte (harter Kunststoff) oder ein konvex gewölbter Holzkörper, der zunächst mit Leinen bezogen und mit Kreide grundiert wird. Nun kann die Farbe aufgetragen werden. Pigmente werden mit einem Glasläufer fein zerrieben und mit einem Acrylbinder angemischt. Dadurch können die Farben transparent bzw. lasierend eingesetzt werden; jedes andere handelsübliche Bindemittel sowie eine gröbere Struktur der Pigmente würde zu einer höheren Deckkraft der Farbe führen. Auf die Farbe wird eine selbst entwickelte, glasklare Mischung aus Paraffinen und Wachs aufgetragen. Im letzten Schritt wird die Oberfläche mit einer Mischung aus Terpentin und Wasser poliert. Soweit scheint der Entstehungsprozess der Werke Bim Koehlers klassisch. Wo findet sich nun besagtes Experimentieren und Erforschen der Farb- und Materialwirkungen? Wie ich eingangs bereits erwähnte, bestehen die Bilder nicht nur aus einer einzigen Farbschicht, sondern es werden lasierend mehrere Farben übereinander aufgetragen. Dabei wird ein breiter Pinsel entweder in vertikaler oder in horizontaler Richtung über die Bildfläche geführt. Durch die gleichmäßige, fast ritualisierte Bewegung wird die Farbe, ebenso wie sie aufgetragen wird, auch wieder abgenommen. Das wiederholte Auftragen führt zu einer Öffnung auf darunter liegende Farbschichten. Wenn solche Phänomene entstehen, werden sie von Bim Koehler mithilfe der Wachs-Parrafin-Mischung konserviert. Diesen Vorgang wiederholt er unzählige Male, so dass jedes Werk letztendlich aus mehr als 30, manchmal sogar 50 Schichten von abwechselnd Farbe und Wachs besteht. Anders als bei der in der Antike verwendeten Technik der Enkaustik, bei der die Farbe im Wachs gebunden wird, findet sich in den Arbeiten Bim Koehlers eine strenge Trennung der Schichten. Das Wachs dient ihm dazu, im Malprozess Strukturen zu fixieren, die durch den Malprozess entstanden sind. So untersucht er gleich wie ein wissenschaftlicher Forscher in seinen Werken das Medium Malerei. Die Bildvorstellung entwickelt sich im Arbeiten; sie ist zu gleichen Teilen Bildidee und Dokumentation der Bildentstehung.

Bim Koehler setzt sich immer wieder aufs Neue mit der Farbe und ihrer Wirkung auseinander – und wie man diese Wirkung durch den technischen Entstehungsprozess beeinflussen kann. Ziel ist es nicht, die Farbe in ihrer Materialität zu beschreiben, wie man es beispielsweise von Marioni kennt. Bim Koehler ist auf der Suche nach der größtmöglichen Brillanz und Leuchtkraft. Farbe als Licht, als etwas Immaterielles – auch das schon immer eine Fragestellung in der ungegenständlichen Kunst; man denke zum Beispiel an Antonio Calderara, der seine monochromen Bilder als „Farblichträume“ bezeichnete. Farbe soll so in ihrer Wirkung gesteigert werden, dass sie die Grenzen der Leinwand verlässt und gleichsam als „Lichtwirkung“ in den Raum greift.
Bim Koehler ist stark an das Material gebunden und doch wird die Farbe bei ihm immaterialisiert, wenn auch auf andere Weise. Optisch lässt sich nicht ausmachen, welche Farben und welches Bindemittel Ausgangsmaterial waren, sprich: in welcher Technik gearbeitet wurde. Die Pigmente werden mit einem Acrylbinder angemischt und doch wird die Farbe so lasierend eingesetzt, dass man fast glaubt, ein Aquarell vor sich zu haben. An manchen Stellen hat die Farbe einen fast metallischen Eindruck. Zudem werden Ansatzspuren und Überlappungen in den Wachsschichten mit einem Messer säuberlich abgezogen, so dass zwar die Pinselspuren der darunter liegenden Farbschicht konserviert werden, die Oberfläche selbst aber keinerlei Bearbeitungsspuren aufzeigt und beinahe wie ein aufgesprühter Lack wirkt. Obwohl also die Werke Bim Koehlers eine Untersuchung der Malerei als Medium sind, führen sie dem Betrachter doch seine Unfähigkeit vor, das Material als das zu erkennen, was es ist. Die Auseinandersetzung mit der Wahrnehmung in Abhängigkeit von Farbe und Material führt den Betrachter in die Irre.

Auch die Farbe, also der Farbton, den man als oberste Fläche wahrnimmt, trügt in seiner Erscheinung. In ihm ist vielmehr die Gesamtheit aller übereinanderliegenden Schichten vereint. Die Technik der farbigen Lasuren bewirkt, dass jede neue Farbschicht durch die darunter liegende in ihrer Wirkung beeinflusst wird. Diese Technik kennt man aus der frühen Portraitmalerei eines Jan van Eyck beispielsweise, wodurch dem Inkarnat Lebendigkeit gegeben wurde. Eine Analogie zum real erscheinenden Porträt liegt nicht fern. Wie bei einer menschlichen Haut liegen in Bim Koehlers Bildern die Farbschichten übereinander und erzeugen eine Wirkung, der man anmerkt, dass sie aus der Tiefe an die Oberfläche wächst. Fast als Wahrnehmungs-Hilfe für den Betrachter scheint Bim Koehler an den Rändern einen Blick auf eine, manchmal auch mehrere, darunter liegende Farbschichten zu öffnen. Man ist überrascht, in welch intensivem Kontrast die übereinanderliegenden Farben bisweilen stehen. Da findet sich ein Grau oder ein kräftiges Rot, das unter einem intensiven Grün hervorscheint, beispielsweise. Und doch ist auch die hervorblitzende Schicht nicht nach rein farbharmonischen Kriterien zur darüber liegenden dazugewählt. Nein, wie die Wirkung der unteren aus mehreren Farben besteht, ist auch in der obersten die darunter liegende enthalten. Die Farben bedingen sich gegenseitig.

Bei der Öffnung auf die darunter liegenden Schichten findet [und hier benutze ich die Worte des Künstlers] eine Reduzierung des Bildraumes statt. Bim Koehler wählt dabei ausschließlich eine waagerechte Trennlinie. Oft befindet sich diese am oberen oder unteren Rand; manchmal durchschneidet sie das Bild aber auch in der Mitte. Diese – nicht exakt gezogene – waagerechte Linie steht im Kontrast zum durchgehend vertikalen Bildformat und erinnert an die Horizontlinie einer weiten Landschaft. Bim Koehler, der also die Techniken der altmeisterlichen Malerei aufgreift, thematisiert auch auf der Fläche die klassische Kompositionslehre der gegenständlichen Malerei vor der Moderne, denn die Zentralperspektive bedarf der Horizontlinie, die – je nach Sicht des Künstlers – tiefer oder höher angesetzt sein kann.
Die waagerechten Linien sowie der horizontal und vertikal erkennbare Pinselduktus verläuft bei Bim Koehler allerdings nicht immer gerade über die Fläche, auch wenn es bei frontaler Betrachtung so erscheint. Bei dem Bildträger aus Holz handelt es sich nämlich nicht um eine klassische Bildtafel, sondern eher um einen Körper, der in der Mitte als kaum merkliche konvexe Wölbung zusammenläuft. Bim Koehler arbeitet mit dem Pinsel gegen diese Wölbung, so dass bei frontaler Betrachtung gerade Linien bzw. Strukturen sichtbar sind. Erst wenn man die Bilder von der Seite betrachtet, bricht sich das Licht in der Wölbung und man nimmt die Farbfläche als nicht homogen wahr.

Wenn Klaus Honnef nun im letzten Ausstellungskatalog der Galerie von einer dialektischen Komponente im Werk Bim Kohlers schreibt: „Sein und Schein treten auseinander“, so trifft das auf eine Vielzahl von Komponenten zu. Wir wissen von der Menge der Farbschichten, und doch wird ihre Struktur nicht im Sinne einer Masse von Materials sichtbar. Die Bilder erscheinen gleichsam als Gegenteil dessen, was sie sind: pastos, flach, dünn und leicht, dabei bestehen sie aus rein opaken Schichten, sind gewölbt und aus über 30 einzelnen Lagen von Farbe und Wachs aufgebaut. Dem hohen Grad an Materialität steht eine immense Leuchtkraft der Farben gegenüber, die den Betrachter nicht erkennen lässt, wie sie erzeugt wurde. Durch die Tiefenschichtung der Farbe als auch die Wölbung des Bildträgers erhalten die Bilder eine zusätzliche Wirkung, die beim ersten Betrachten der Werke unbewusst erscheint. Es entsteht eine Irritation der Wahrnehmung, die minimal ist.

In der Auseinandersetzung mit dem Medium der Malerei spiegeln die Bilder zu einem hohen Grad die körperliche Aktion und das Individuum des Künstlers. Das fertige Bild ist gleichsam eine Dokumentation seiner Hingabe an das Werk. Das größte Bild, das Sie in der Ausstellung sehen können, hat eine Höhe von 1,80m. Es ist hier ins Extreme getrieben, was auch die anderen Arbeiten an körperlichem Einsatz fordern. Bim Koehler ist als Mensch, als Künstler in jedem seiner Werke zugegen. Es ist vielleicht dies der Grund, weshalb die Werke mit ihrer hohen malerischen Qualität so anziehend auf den Betrachter wirken und einen genauen Blick einfordern.

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